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Ezechiel I. bleibt König von Meadowhouse

Mit der Königswahl ging am Sonntag der zweite Teil der Reichswahlen 1826 über die Bühne und im Gegensatz zur Parlamentswahl eine Woche zuvor, waren die Verhältnisse zwischen den Kandidaten am Ende nicht nur deutlich, sondern auch schon früh am Wahlabend entschieden. Der amtierende Monarch Ezechiel I., der 1822 noch knapp ins Amt gewählt wurde, besiegte seine Herausforderin Elena Weinandt, ehemalige Vorsitzende der FED, am Ende deutlich mit 445 Wahlmännern zu 296 Wahlmännern. Ausschlaggebend war beim ersten Sieg eines Amtsinhabers seit 1814 und dem ersten Sieg dieser Art unter dem seit 1818 geltenden Wahlsystem, vor allem Ezechiels Stärke in den ländlichen Gebieten im gesamten Königreich, womit er seiner Herausforderin im Verlaufe des Abends immer weiter enteilte und bereits gut zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale de facto im Amt bestätigt war.

Zum Auftakt des Wahlabends sah es für einen ganz kurzen Moment so aus, als wenn sich trotz der relativ eindeutigen Favoritenrolle Ezechiels, die nach der für Weinandts FED verheerenden Parlamentswahl und den daraus insgesamt resultierenden unklaren Verhältnissen im Saal der Gespenster eine Woche zuvor in Umfragen als noch deutlicher eingestuft wurde, möglicherweise dennoch eine Überraschung anbahnen würde: Der erste Wahlkreis Ledhian-Nord, ganz im Nordwesten des Königreichs rund um Khevenbach und Eindorf, ging an Herausforderin Weinandt. Der Jubel darüber im Lager der Herausforderin, die dem amtierenden Monarchen damit einen Wahlkreis abnahm, den dieser 1822 noch gewonnen hatte, sollte aber so ziemlich die einzige positive Emotion bleiben, die die Anhänger von Elena Weinandt an diesem Abend verspüren sollten. Schnell konnte Ezechiel in den anderen ländlich geprägten Kreisen, sei es Roscrovel-Iffelland rund um Rosenthal, Niederstein rund um Herboldstein, oder auch Eisach-Tierhagen im gesamten Herzogtum Preußen triumphieren und baute so schon früh einen gewissen Vorsprung auf seine Herausforderin auf. Mit Spannung erwartet wurde im äußersten Norden des Königreichs insbesondere das Ergebnis aus der Herzogenhauptstadt Karburg im Wahlkreis Karburg-Impfe, welchen Ezechiel 1822 noch nicht gewinnen konnte. Nachdem die ersten Wahlkreise im südlicher gelegeneren Herzogtum Saphirento bereits ausgezählt waren, sorgte das Ergebnis aus Karburg dann auch für den ersten wirklichen Paukenschlag des Abends: Ezechiel konnte sich die 23 Wahlmänner im Gegensatz zu vor vier Jahren sichern und baute damit seinen Vorsprung deutlich aus. Herausforderin Weinandt konnte in ganz Preußen lediglich den einen Wahlkreis für sich entscheiden, der ganz zu Beginn ausgezählt worden war.

Der deutliche Vorsprung Ezechiels wuchs mit der Auswertung der Wahlkreise im Herzogtum Saphirento immer weiter. Mit Wahlkreisen wie Drohdeland rund um Siebenstätten und Lind-Meger rund um Gambsdorf und Dornhof konnte er Wahlkreise einerseits verteidigen, andererseits aber auch mit Kreisen wie Königsbach-Wose rund um Dernsund und Königsförde sowie Meger-Mitte rund um Trellburgh und Bordtvormwald solche gewinnen, die vor vier Jahren noch nicht in seinem Lager gewesen waren. Das konsequent gute Abschneiden Ezechiels in den ruralen Wahlkreisen, der im Hezogtum Saphirento von diesen lediglich Menz-Nord rund um Holmsfall an seine Herausforderin abgeben musste, sorgte schon recht früh für eine klare Tendenz nicht nur im Ergebnis, sondern auch in der Einschätzung der Experten, wer die Wahl letztendlich gewinnen würde. Zwar waren, zum Teil auch deutliche, Wahlgewinne Ezechiels im traditionell konservativen Norden des Königreichs erwartet worden, doch einen solchen Durchmarsch war von den wenigsten erwartet worden. Elena Weinandts Hoffnungen ruhten damit insbesondere auf den beiden großen urbanen Räumen im Herzogtum Saphirento, nämlich Saphirento-Nord rund um die Herzogenhauptstadt und Ilmer-Meger rund um das Ballungszentrum Rubinburgh. Als Saphirento-Nord mit 29 Wahlmännern schließlich ebenfalls an Ezechiel fiel, womit er den Wahlkreis verteidigen konnte, setzte im Lager von Weinandt allmählich endgültige Ernüchterung ein, während im Lager des amtierenden Königs die größten Optimisten bereits den Sekt öffneten. Dass später am Abend Ilmer-Meger mit immerhin 37 Wahlmännern an Elena Weinandt ging, womit sie auch hier Ezechiel einen Wahlkreis, den dieser 1822 noch gewonnen hatte, abnahm, fiel schon fast nicht mehr ins Gewicht, da zu diesem Zeitpunkt der Vorsprung Ezechiels mit den ausgezählten Wahlkreisen aus den Herzogtümern Wiesenhausen und Santo Opalo noch größer geworden war.

Im Heimatherzogtum von König Ezechiel kam dessen Dominanz dann endgültig zum Tragen und brachte ihn, was das Gesamtergebnis anging, schon bis kurz vor die Ziellinie. Besonders auffällig war dabei, dass Ezechiel insbesondere hier Wahlkreise gewann, die er 1822 noch seinem damaligen Konkurrenten Percival I. überlassen musste. Mit Waldbach-Gerste rund um Ranstedt und Johannestal sowie Vest  rund um Westingen im Norden des Herzogtums, mit dem Flosserland rund um Wilmersdorf und Donnersfeld sowie dem Grohneland rund um Erlenberg im Nordosten, und mit Rimer-Uhle rund um Kerchental und Ikenberg ganz im Süden des Herzogtums gingen gleich fünf Kreise ins Lager von Ezechiel über. Herausforderin Weinandt konnte lediglich Maranhlès-Süd rund um Kullburg an der Grenze zu Grünland im Südwesten für sich verbuchen. Am Ende sollte Weinandt gerade im wichtigen, weil von Wechselwählern bewohnten, Herzogtum Wiesenhausen nur diesen einen Wahlkreis gewinnen, was ihre Niederlage rückblickend mit erklärt. Auf das Ergebnis aus der Hauptstadt musste allerdings auch in diesem Jahr wieder länger gewartet werden, da das Auszählen im bevölkerungsreichsten Wahlkreis naturgemäß am längsten dauerte.

So richteten sich die Blicke parallel zur Auszählung bereits an die Ostküste des Königreichs ins Heimatherzogtum von Elena Weinandt, Santo Opalo. Ein deutlicher Erfolg für sie war hier schon im Vorhinein von Experten als notwendige Grundlage für einen möglichen Wahlsieg der Herausforderin gesehen worden. Zwar konnte sie im Herzogtum Santo Opalo am Ende mehr Stimmen als König Ezechiel auf sich vereinen, doch war der Sieg alles andere als deutlich. Die  Tiefschläge für das Weinandt-Lager setzten sich nämlich insbesondere im Norden des Herzogtums fort, wo Ezechiel mit den drei großen Kreisen Ysen-Karlsbach rund um Karlsburg am Isen, Grote-Elm-Nordbach rund um Bruchhausen und Wolfenstein sowie Ysen-Nordbach rund um Nordsen und Grothaven gleich drei Gebiete gewann, die er 1822 noch nicht hatte gewinnen können. Zwar konnte Weinandt rund um ihren Heimatort Santo Opalo mit Mohre-Sognitz rund um Tjerningen und Brisciusfels, Rimer-Sognitz rund um Regensberg und Rohrdorf, Rimer-Ost am Kap Sanorma sowie ihren Heimatbezirk Mohre-Gunzlach rund um Santo Opalo eine ganze Region am Unterlauf von Ysen und Rimer für sich entscheiden, doch schon etwas weiter südlich konnte Ezechiel im ländlicheren Dresauland rund um St. Theresia und Rosenach schon wieder triumphieren und holte sich zudem auch den bei dieser Wahl erstmals bestehenden Wahlkreis des Archipels Vielerlei vor der Ostküste Santo Opalos. Der Sieg Ezechiels war zu diesem Zeitpunkt fast nur noch Formsache.

Parallel zur Auszählung in den südlicheren Wahlkreisen in Santo Opalo rückte damit auch das Herzogtum El Grande in den Blick, wo sich Elena Weinandt auch einige rurale Kreise sichern konnte, so etwa Rimer-Nord rund um Eschbach, das Isselland rund um Westbach und Steinhausen sowie Westbach-Grüne rund um Manzhausen, die damit nach 1822 allesamt erneut nicht für König Ezechiel stimmten. Jede eventuell noch einmal aufkeimende Hoffnung im Weinandt-Lager, mit einem sensationellen Comeback im Süden des Königsreichs das Wunder doch noch zu schaffen, wurde aber schon kurz darauf endgültig zerstört, als Ezechiel als Wiesenhausener ausgerechnet die Herzogenhauptstadt El Grande für sich entschied, was ihm bereits 1822 gelungen war. Als es nun nur noch eine Frage von Minuten war, bis der Wahlsieg final feststehen würde, trat der wiedergewählte Monarch dann auch auf die Bühne vor seiner Anhängerschaft in der Isengoldhalle und bedankte sich in einer verhältnismäßig kurzen, fast schon sachlichen Rede bei den versammelten Menschen. Er habe einen Anruf von Elena Weinandt bekommen, bei dem sie ihm gratuliert habe, verkündete er, woraufhin tosender Jubel losbrach. Er versprach, seinen Regierungsstil weiter fortzusetzen und verwies auf die Herausforderungen der kommenden Jahre, sei es ganz kurzfristig bei der Bildung einer neuen Regierung mit den Mehrheiten aus der Reichstagswahl, oder langfristig mit der Positionierung Meadowhouse‘ in einer Titanien-Union. Am Ende forderte er seine Anhänger dennoch auf, den Abend über zu feiern, bevor es am darauffolgenden Tag wieder an die Arbeit ginge.

Kurz nach Ezechiels Rede konnte Reichswahlleiter Heinrich Petersen dann auch ganz offiziell Vollzug melden: Wie schon vor vier Jahren brachte der Wahlkreis um die Hauptstadt Wiesenhausen, der Heimat Ezechiels, die endgütige Entscheidung. Ezechiel holte sich die 54 Wahlmänner aus der Hauptstadt und deren Umland und kam damit deutlich über die geforderte Anzahl von 371 Wahlmännern hinaus, noch bevor große Teile im Süden des Herzogtums El Grande oder im Herzogtum Südstrand überhaupt ausgezählt waren. In El Grande konnte Elena Weinandt mit Keslenburg-Halge rund um die Großstadt Keslenburg dem amtierenden König immerhin noch einen urban geprägten Kreis abnehmen, den dieser vor vier Jahren gewonnen hatte. Im Herzogtum Südstrand holte sie sich mit den beiden bevölkerungsreichsten Kreisen Sonne-Nord rund um Chaconne und Gersthafen sowie Campinas-Küste rund um Campinas, Vanitas und Herzogenhauptstadt San Laven noch einmal viele Wahlmänner in ihr Lager, doch war dies zu diesem Zeitpunkt bereits eine Randnotiz, da die Wahl schon längst entschieden war, auch, weil Ezechiel selbst in Südstrand, wo er 1822 nur einen einzigen Wahlkreis gewonnen hatte, mit Kreisen wie Sonne-Reede rund um Berghausen, Laine-Sirogio rund um Godersdorf sowie dem Tigualer Land rund um Ilefontaine und San Vascas durchaus überraschende Erfolge, auch hier im ländlichen Gebiet verzeichnen konnte.

Am Ende gewann König Ezechiel I. die Königswahl 1826 deutlich mit 445 zu 296 Wahlmännern und holte von insgesamt 51 Wahlkreisen ganze 33 an der Zahl, was den zweitdeutlichsten Sieg in einer Königswahl nach der Wahl 1818 darstellt. Zum Vergleich: 1822 holten der damalige Amtsinhaber Percival I. und Ezechiel mit jeweils 25 Wahlkreisen sogar gleich viele Bezirke, wodurch am Ende die reine Wahlmänneranzahl das Rennen denkbar knapp entschied. Dabei geht Ezechiels Sieg insbesondere auf sein von Norden nach Süden gleichermaßen starkes Abschneiden in den ländlichen Regionen zurück, wo er viele Wahlkreise gewinnen konnte, die 1822 noch nicht für ihn gestimmt hatten. Dadurch reichte es für ihn letztendlich auch, nur in einigen städtischen Regionen, wie etwa Karburg, Saphirento, Wiesenhausen und El Grande, zu gewinnen und Verluste von Städten wie Rubinburgh, Santo Opalo, Keslenburg und San Laven waren zu verschmerzen. Ezechiel I. dürfte dieses Ergebnis insgesamt als Bestätigung seiner Arbeit und seines Regierungsstils auffassen, was sich in seinem kurzen Sieger-Statement am Sonntagabend bereits abzeichnete. Für seine Herausforderin Elena Weinandt muss hingegen ein vernichtendes Urteil gefällt werden: Trotz ihres einigermaßen hohen Bekanntheitsgrades schaffte sie es nicht im Ansatz, ihre eigene politische Kampagne in eine wirkliche Dynamik zu versetzen und spiegelt damit das Problem ihrer auch bei der Parlamentswahl für ähnliche Gründe abgestraften Partei wieder. Die Tatsache, dass sie in Preußen und Wiesenhausen jeweils gerade einmal einen Wahlkreis und in Saphirento lediglich zwei gewinnen konnte, sowie, dass El Grande das einzige Herzogtum war, in welchem sie überhaupt mehr Wahlkreise als Amtsinhaber Ezechiel für sich entscheiden konnte, sollten der Partei zu denken geben. Gerade als Kandidatin links der Mitte schaffte sie es bereits im Vorwahlkampf im Frühjahr nur geringfügig, den konservativen Ezechiel wirklich anzugreifen und wirkte auch im Hauptwahlkampf über den Sommer bis in den Herbst hinein zu wenig greifbar. Insbesondere für die Landbevölkerung, die Ezechiels zurückhaltenden Regierungsstil schätzt, war sie damit keine wirkliche Alternative oder, wie es Gerhard S. Herme im „Höhlenpodcast“ am Sonntagabend resümierend feststellte: „Sie war keine wirkliche Gegnerin für den amtierenden König“.

Mit der Wiederwahl König Ezechiels I. enden die Reichswahlen 1826. Durch die Bestätigung im Amt mit dem deutlichen Ergebnis vom Sonntag, dürfte sich Ezechiel darin bestärkt sehen, seinen Kurs nicht nur fortzuführen, sondern auch eine deutlichere Rolle in der Innen- und Außenpolitik zu spielen. Innenpolitisch gibt ihm das Wahlergebnis die klare Rückendeckung, die im Saal der Gespenster befindlichen Parteien unter den Randbedingungen der schwierigen Mehrheitsverhältnisse zu einer Regierungsbildung zu motivieren. Eine Regierungs- oder gar Staatskrise, wie sie nach den Parlamentswahlen vergangene Woche von einigen Experten befürchtet wurde, ist mit Ezechiels Wiederwahl zumindest unwahrscheinlicher geworden. Außenpolitisch dürfte Ezechiel vor allem in Hinblick auf die Mitsprache Meadowhouse‘ bei der Formierung und Ausgestaltung einer Titanien-Union einen stärkeren Einfluss haben, da das gute Ergebnis für ihn letztlich auch ein für ihn ausgesprochen positiv ausgefallenes Referendum über seine Positionierung des Königreichs zu einer möglichen Titanien-Union ist. Er hat damit ein klares Mandat, den begonnen Weg der Gestaltung weiterzuverfolgen. Anfangen wird er damit, wie er bereits angekündigt hatte, wohl so schnell wie möglich. Am Montag erneuerte Ezechiel auf Burg Daunenfels bereits seinen Amtseid und lud die Spitzen der künftig im Saal der Gespenster vertretenen Parteien für Mittwoch zum weiteren Vorgehen in Sachen Regierungsbildung und konstituierender Sitzung des Reichstags ein. Mit der Wiederwahl Ezechiels I. dürfte Meadowhouse‘ Weg in den nächsten vier Jahren ähnlich weitergehen, wie die vergangenen vier Jahre bereits gezeichnet waren, sofern der neue alte König im Falle eines Falles zwischen den Parteien zwecks einer Regierungsbildung erfolgreich vermitteln kann. Dass die meadowhousischen Bürger ihm dies und darüber hinaus noch vieles Weitere zutrauen, haben sie jedoch am vergangenen Sonntag bewiesen.