Durchbruch in Melotraubforschung – Concorde als massentauglicher Wirtschaftsfaktor
Bisher war sie der Oberschicht vorbehalten. Die Concorde. Das markante Überschallflugzeug, mit dem in etwa drei Stunden von Wiesenhausen nach Salenavo fliegen konnte, war bis vor Kurzem für alle Menschen mit einem normalen Geldbeutel absolut unerschwinglich, sodass viele Langstreckenurlauber sich gehörig Zeit nehmen mussten, um beispielsweise nach Südtitanien zu kommen. Doch nun hat ein bahnbrechender Durchbruch in der Melotraub-Forschung die Hoffnung auf eine drastische Kostensenkung und höhere Praktikabilität geschürt. Die Fluggesellschaften bereiten aktuell schon die ersten großen Bestellungen der Luftköniginnen vor.
Die Meldung schlug zunächst in der Wissenschaft wie eine Bombe ein. Kurz darauf bekam auf die Wirtschaft Wind von der Meldung, die zunächst in Wissenschaftsmagazinen wie Forschungsgeist oder Ei des Maszliškuš erschien. Forschern ist es gelungen, mithilfe von Melotraub einen Nachbrenner anzutreiben. Der war für die Concorde aufgrund der zu erreichenden Geschwindigkeit und des hohen Gewichts unerlässlich und konnte deshalb bisher nur mit üblichen Verbrennerstoffen angetrieben werden. Die Forscher erfanden für ihr Experiment einen neuen Katalysator, der die chemischen Eigenschaften des Melotraubs mit den Nachbrennerzündungen kompatibel machte. Der Katalysator kann mithilfe eines 3D-Druckers erstellt werden. Die Kosten pro Stück schätzten die Forscher auf rund 450 Schillinge. Marko Maszliškuš bezeichnete das in seiner Zeitschrift als „Meilenstein der Chemie“. Er selbst hätte dies nicht besser machen können, schrieb er ganz bescheiden. Bisher war der Flughafen Chaconne der einzige, an dem eine Concorde in Meadowhouse abheben und landen konnte. Da der Flughafen direkt am Meer liegt, ist die Lärmbelästigung nicht so hoch, wie beispielsweise am Flughafen Drachenebene in Wiesenhausen, an den mehrere Wohngebiete grenzen und auf dem nur Melotraub, Acetylquartoridnomel und 10-vor-Gift als Treibstoffe zugelassen sind. Da der Flughafen Chaconne jedoch kein internationaler Drehkreuzflughafen ist, waren die wirtschaftlichen Profite einer meadowhousischen Concorde überschaubar. 1825 landeten beispielsweise überhaupt nur sechs der schmucken Überschallflieger auf den dortigen Rollfeldern. Durch den wissenschaftlichen Durchbruch soll sich das nun kolossal ändern. Und nicht nur das.
Das Gewicht von Melotraub ist deutlich geringer als das von Kerosin. Dadurch können höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Die Reisegeschwindigkeit könnte sich so von Mach 2,02 auf bis zu Mach 2,9 erhöhen. Darüber hinaus könnten mehr Fahrgäste mit mehr Gepäck untergebracht werden. Vorteilhaft ist auch der geringe Verbrauch von Melotraub. Pro Stunde verbraucht die Concorde etwa 25.000 Liter Kerosin, nach Berechnungen der Forscher sollen es nur rund 12.000 Liter Melotraub sein, als weniger als die Hälfte. Das macht auf langen Reisen Zwischenstopps nun überflüssig, da deutlich längere Distanzen zurückgelegt werden können. Die Triebwerke werden außerdem von etwa 120 Dezibel beim Start auf nur 70 Dezibel herabgestuft, was in etwa der Lautstärke eines laufenden Staubsaugers entspricht. Damit würde die Concorde theoretisch die Zulassung auf allen meadowhousischen Flughäfen mit einer entsprechend langen Landebahn erhalten. Ein Problem, was sich nicht aus der Welt schaffen lässt, ist der Überschallknall. Um diesen über dicht besiedelten Gebieten zu vermeiden, müsste die Concorde unmittelbar nach dem Start bereits stark an Höhe gewinnen. Etwa bei 10 Kilometern Flughöhe könnte dann der Überschallflug begonnen werden. Die Reisehöhe des Himmelssprinters beträgt etwa 18 Kilometer. Der schnelle und steile Aufstieg könnte für Reisende dann ein wenig unkomfortabel werden, was der Euphorie jedoch keinen Abbruch tut. „Das ist eine Revolution der Luftfahrtindustrie“, sagt Verkehrsdromorniss Christoph Botao auf Anfrage des Morgengespensts. „So können wir auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel diese großartige Art des Reisens ermöglichen.“ Ähnlich äußert sich Verkehrsminister Ralf Bachstein (VCS): „Es ist eine fantastische Meldung, die wir da aus der Forschung erhalten haben. Ich werde alles dafür tun und in der kommenden Legislatur das umzusetzen, was nötig ist, damit sich dieses Forschungsergebnis auch in der Wirtschaft niederschlägt.“ Bisher kostete ein Sitzplatz in der 2. Klasse der Concorde im Durchschnitt 6.000 Tropale. Schätzungen des Reichsamts für Luftfahrttechnik gehen nun von 800 bis 2.500 Tropalen je nach Strecke aus.
Unter Flugzeugenthusiasten herrscht bereits grenzenlose Euphorie. Schon jetzt werden mögliche Verbindungen gecheckt und etwaige Flugrouten ausbaldowert. Beispielsweise von Wiesenhausen nach Polsingerschersch in einer Stunde, von Santo Opalo nach Tvaci in 90 Minuten oder von El Grande nach Palar in dreieinhalb Stunden. Aber auch die Telefone der Fluggesellschaften laufen heiß und die Pressestellen reden ganz offen von den Plänen der Airlines. Air Titania beispielsweise bestätigte schon, dass man Anfragen über 30 Concordes stellen wolle, die mit Melotraub betrieben werden können. Auch die Sperber-Airline prüft nun mögliche Bestellungen, ebenso wie MeadowAir. Für Kurzstreckenflüge wird sich die Concorde aber auch nach dieser Antriebsrevolution nicht lohnen, da die Kosten pro Kilometer deutlich die eines herkömmlichen Flugzeugs übersteigen und zudem die große Flughöhe kurze Strecken unwirtschaftlich macht. Zudem belasten kurze Strecken die Baustruktur der Concorde deutlich mehr, was höhere Wartungskosten nach sich ziehen würde. Flüge in die benachbarten Länder wie Schneckland, Grünland, Westparadies oder Gallertland profitieren also nicht von der Neuerung, da die hierfür gängige Art Flugzeug ohnehin bereits mit Melotraub, ACQ oder 10-vor-Gift fliegt.
Die meadowhousische Industrie könnte nun von einer wahren Auftragsfülle überschwemmt werden, da die heimische Technik besonders gut auf nachhaltige Antriebsstoffe spezialisiert ist, vor allem im Zuge der letzten Energiereform. „Wir haben stets betont, dass hier die Zukunft der Verbrenner liegt“, sagt Verkehrsminister Bachstein selbstbewusst. „Deshalb haben wir eben besondere Maßnahmen im Subventionsbereich getroffen, um genau dort nun eine Pole Position einnehmen zu können.“ Profiteure der Bestellungen sind ziemlich sicher TTA als ein auf Flugzeugturbinen spezialisiertes Unternehmen, aber möglicherweise auch GRK Motoren, MWW oder Caspar Incorporated. Es wird darüber hinaus zu erwarten sein, dass nicht nur Bestellungen inländischer Airlines eintreffen, sondern auch eine Reihe von Anfragen aus dem Ausland. „Das sendet ein sehr gutes Zeichen im Lichte der anstehenden Titanien-Union“, sagt Wirtschaftsminister Lieber Lord Voldemort (BdH). „Meadowhouse zeigt, dass es sich als fortschrittlicher Wirtschaftsstandort beweisen kann und rechtzeitig entsprechende Maßnahmen einleitet.“ Gleichzeitig bekräftigen die Industrieverbände, dass andere Länder nachziehen könnten und die hohen meadowhousischen Löhne langfristig die technologischen Vorsprünge überholen würde, was Bestellungen im Ausland wahrscheinlicher machen würde. Der Wirtschaftsminister kontert das mit Ausgleichen durch Währungsunterschiede. „Deshalb wird es ja auch keine Einheitswährung geben, um genau dieses finanzielle Steuerungselement beibehalten zu können.“ Ob davon tatsächlich nur Meadowhouse profitiert, klingt nach heutigem Stand allerdings mehr als unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz wird eine ganze Industriekette einen wirtschaftlichen Boost erleben, nicht nur die Turbinenhersteller und Fluggesellschaften. Auch die Unternehmen, die die entsprechenden Katalysatoren herstellen, sprich Zulieferer der Turbinenhersteller, werden enorm volle Auftragsbücher bekommen. Ebenso die Chemieindustrie, die das Melotraub nun in deutlich größeren Mengen herstellen wird. Vor allem EulenEnergie, Natterhofer und RubinburghChemie kommen als große Lieferanten infrage, da sie in der Lage sind, entsprechende Mengen schnell zu produzieren. Und auch die Speditionen im Königreich dürften sich freuen, da sowohl Melotraub, als auch die fertigen Turbinen samt Katalysatoren sicher transportiert werden müssen. Die Spedition Dorette Duck wird hier als Favorit auf die Katalysatorlieferungen gehandelt, das Melotraub dürfte von TUB geliefert werden und die fertigen Turbinen und Materialteile für die Concorde von M+M Logistik und der Hermann Spedition.
Die aktuelle Regierung nutzt den Forschungsdurchbruch nun weitläufig für ihren Wahlkampf. Der Teil des MeadowPlans, bis 1835 die Energiewende vollständig umgesetzt zu haben, könne aufgrund dieses technologischen Fortschritts nun schon deutlich früher erreicht werden, so Umweltministerin Wilhelmine Weißtanne (BdH). Skeptiker der Titanien-Union sollen verstummen, da die Weitsicht der meadowhousischen Wirtschaft den Wettbewerbsvorteil dauerhaft erhalten wird, so lautet der allgemeine Tenor. Umweltdromorniss Waldapfel lobte die meadowhousische Forschung und äußerte die Hoffnung, dass sich diese Art der Energienutzung weltweit immer mehr etabliere. Auch Sozialverbände sehen die Neuerung sehr positiv, vor allem unter dem Gesichtspunkt der Chancengleichheit. „Bisher war es Reichen und Zauberern vorbehalten, schnell von A nach B zu kommen, Reichen mit Überschallflügen, Zauberern mit Disapparieren“, erklärt die Chefin vom Zusammenschluss der Meadowhousischen Sozialverbände (ZUMESO) Rosa Löffler. „Jetzt schaffen wir diese Möglichkeiten in der breiten Bevölkerung und das ist ein positives Signal.“ Sie weist jedoch auch daraufhin, dass nun auch die Voraussetzungen geschaffen werden, damit der zu erwartende Preissturz auch tatsächlich eintritt. Der Zaubererrat hat in Person von Severus Snape bereist angekündigt, hier genau auf die Praxis der beteiligten Unternehmen zu schauen, um eine unangemessene Ausweitung der Gewinnspanne auf Kosten der Verbraucher rechtzeitig erkennen zu können.
So könnten bald schon Concordes den meadowhousischen Himmel bevölkern, wenn man sie denn in der großen Höhe mit bloßem Auge erkennen kann. Auf dem Flughafen Drachenebene donnerten die Concordes immer nur am 18. Oktober, demnächst fliegen sie dort Linie. Flugzeugfans aus aller Welt werden dann ihre Kameras bereithalten, um den ersten Start des dann leise donnernden Vogels festzuhalten. Ob dann allerdings wie bei den wenigen exklusiven Flügen auch auf Linienflügen nach dem Abheben mevànschen Valmagne und Canapés serviert, bleibt noch im Unklaren. Das wird dann vermutlich doch der Upper Class vorbehalten bleiben.
