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Mondstein-Adler bezwingen Smaragdschlangen und krönen sich zum Qudditch-Meister

Es war ein packendes Match im altehrwürdigen Schattenfeld in Südwiesenhausen. Das restlos ausverkaufte Wiesenhausener Quidditch-Stadion war mal wieder der Austragungsort des großen meadowhousischen Finals um die Quidditch-Meisterschaft. Und der Titel geht erstmals seit 1814 wieder in die Hauptstadt! Die Wiesenhausener Mondstein-Adler bezwangen in einem epischen Endspiel die Smaragdschlangen aus Saphirento und holten ihre insgesamt vierte meadowhousische Meisterschaft.

Schon der Einflug der Teams war spektakulär. Feuerwerke kreierten für die Smaragdschlangen eine riesige, grüne Viper, die über dem Saphirenter Fanblock auftauchte, und für die Mondstein-Adler einen gigantischen Adler, der einem Mondstein hinterherjagt. Für die lange Wartezeit auf einen Titel war dieses Feuerwerk geradezu symbolisch. Die gut 20.000 Fans, die paritätisch in den jeweiligen Fanblöcken versammelt waren, bedachten ihre Teams mit tosendem Jubel. Schiedsrichter Benedikt Eisenfiedler gab um 20 Uhr den Quaffel frei, gerade als leichter Regen einzusetzen begann. Es entwickelte sich zugleich eine Partie mit atemberaubendem Tempo. Beide Teams waren schon die ganze Saison hindurch mit überfallartigem Angriffsspiel aufgefallen und sie setzten es trotz eventueller Taktikspiegelung auch im Finale fort. Schon nach nicht mal einer Minute fing Marek Silberkamm einen langen Pass von Jägerkollegin Alina Sternfels ab, tauchte clever unter einem Klatscher hinweg und erzielte das erste Tor des Abends zum 10:0 für die Mondstein-Adler. Die Antwort der Smaragdschlangen ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Cassius Morn täuschte einen Wurf an, spielte den Quaffel jedoch im letzten Moment nach hinten auf Selene Corwin, die dem überraschten Frederik Falkenhorst mit einem perfekten Wurf in den linken Ring keine Chance ließ. Von da an wechselte die Führung beinahe im Minutentakt. Insbesondere Treiberin Greta Donnerflug zeigte für die Mondstein-Adler eine überragende Leistung. Immer wieder antizipierte sie Flugwege und blockte oder schlug die Klatscher so präzise, dass die Angriffe der Smaragdschlangen ins Leere liefen. Spektakulär war vor allem ihre Aktion nach einer knappen halben Stunde. Mit einem sensationellen Schlag schickt sie einen Klatscher quer über das Spielfeld hinüber zu Tarek Nadir, der im Sturzflug zum Ausweichen gezwungen war. Die Mondstein-Fans quittierten das mit großem Jubel und Sprechchören. Allerdings hielten die Treiber der Smaragdschlangen gut dagegen. Brutus Grimm traf Jonas Eichwind so hart an der Schulter, dass dieser fast vom Besen geschleudert wurde. Nur eine artistische Rolle bewahrte ihn vor einer Verletzung. Zur Halbzeit stand eine ganz knappe Führung von 130:120 für die Smaragdschlangen zubuche.

Man spürte selbst in der Halbzeitpause die Anspannung in den Fanlagern. Trotz des unterbrochenen Spiels ging es weiter mit Fangesängen, die teils auch in Schmähgesänge übergingen. Die Rivalität der beiden Klubs hatte schon zu diesem Zeitpunkt ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Und das Finale furioso sollte noch eine ganze Halbzeit parat halten. In dieser zweiten Halbzeit wurde das Endspiel dann endgültig zu einem offenen Schlagabtausch. Nun tat sich auf Seiten der Mondstein-Adler vor allem Alina Sternfels hervor, die wie entfesselt aufspielte. Direkt zu Beginn des zweiten Durchgangs erzielte sie mit einem riskanten Sturzflug zwischen zwei Verteidiger hindurch gleich drei Tore innerhalb von wenigen Minuten und brachte ihre Mondstein-Adler wieder in Führung. Aber auch Tarek Nadir aufseiten der Smaragdschlangen lief jetzt zur Höchstform auf und konterte die guten Offensivaktionen der Mondstein-Adler immer wieder durch geniale Täuschungsmanöver. Der größte Vorsprung war schließlich ein 170:140 für die Mondstein-Adler, der jedoch innerhalb von fünf Minuten wieder egalisiert werden konnte. Nach rund 20 weiteren Minuten entdeckte dann Ludovic Serpens für die Smaragdschlangen den Schnatz. Sofort ging er zur Jagd über, was Livia Morgenstern sofort bemerkte und ebenfalls zum Angriff überging und die Verfolgung aufnahm. Vom regen Treiben unter ihnen waren vor allem die Mondstein-Adler kurzfristig abgelenkt, woraufhin Selene Corvin und Cassius Morn direkt vier schnelle Treffer erzielten und die Smaragdschlangen mit 230:210 in Führung brachten. In diesem Moment schien es, als sei das Finale endgültig zugunsten der Schlangen gekippt. Die Mondstein-Adler wirkten im Treiben und Jagen nun fahrig und unkonzentriert, während der Titelträger aus 1818 und 1823 die zweite Luft zu haben schien. Immer wieder saßen jetzt die Klatscher und Blocks gegen die Hausherren, die in Person von Hüter Falkenhorst dann auch noch einen Patzer einbauten, als er den Quaffel nicht ausreichend touchierte. Mittlerweile stand es 260:220. Und in der Verfolgungsjagd um den Schnatz führte Serpens vor Morgenstern. Doch dann endete das Finale auf die spektakulärste Weise. Nur wenige Minuten waren noch offiziell zu spielen und alles sah nach einer Niederlage der Mondstein-Adler nach Scoring aus. Der Schnatz raste zwischen den Flutlichtmasten hindurch nach unten, wo er nur wenige Meter über dem Rasen schwebte. Beide Sucher flogen nahezu waagerecht über das Spielfeld, Serpens lag etwa um eine Besenlänge vor Morgenstern. Plötzlich lenkte ein von Oskar Rabenmark fantastisch geschlagener Klatscher Nero Valis ab, der gerade dabei war, Serpens Deckung zu geben. Dieser war nun gezwungen, für den Bruchteil einer Sekunde auszuweichen, doch diese winzige Verzögerung genügte. Livia Morgenstern stürzte sich in einem waghalsigen Manöver von ihrem Besen nach vorne, streckte den linken Arm bis an die Grenze des Möglichen aus und erwischte den Schnatz mit den Fingerspitzen. Das reichte. Sie hatte ihn gefangen. Bei einer Restzeit von zwei Minuten und 38 Sekunden hatten die Mondstein-Adler das Spiel doch noch auf ihre Seite gezogen und siegten schließlich mit 370:270. Ohne das Fangen des Schnatzes wäre dieses Comeback unmöglich gewesen. Ein Riesenjubel schallte aus dem Fanblock der Heimmannschaft, unten auf dem Rasen versammelten sie sich zur Jubeltraube und feierten den ersten Titel seit zwölf Jahren. Trainer Ernest Cavendish kam hinzu und wurde sogleich von seinem Team in die Lüfte geworfen. Bei der Übergabe der Opalkrone, der begehrten Quidditch-Trophäe, war dann auch König Ezechiel I. anwesend. Er überreichte inmitten des erneut explodierenden Adler-Feuerwerks das Meisterwerk aus Ebenholzsockel, zwei silbernen spiralförmigen Besen, goldenem Schnatz mit Schwebezauber und dem riesigen Opal auf der Spitze zwischen den beiden Besen. Livia Morgenstern stemmte das Kunstwerk in den Wiesenhausener Nachthimmel. Die Opalkrone war nach Hause gekommen.

„Heute hat nicht das glücklichere, sondern das mutigere Team gewonnen“, fasste Ludovic Serpens die Niederlage zusammen. „Wir waren so nah dran. Sie haben es in letzter Sekunde außergewöhnlich gut gespielt.“ Livia Morgenstern, Heldin des Abends, war voll des Überschwangs: „Mein größter Traum ist heute in Erfüllung gegangen. Wie oft ich abends wach lag und mir vorgestellt habe, eines Tages Quidditch-Meister zu sein – ich kann’s nicht glauben, ich bin so stolz.“ Dann musste sie tränenbedingt abbrechen. König Ezechiel, mitten im Wahlkampf, lobte beide Teams: „Ich denke, wir haben heute Abend eines der besten Finals aller Zeiten gesehen. Ich finde es unglaublich, auf welchem Niveau beide Teams gespielt haben. Der Sieg ging heute an die Mondstein-Adler, aber ich bin mir sicher, dass diese Smaragdschlangen noch viele Titel gewinnen werden.“ Tatsächlich hatten die Schlangen 1818 das bis heute letzte Finale gewonnen, das durch Fangen des Schnatzes und nicht nach regulärer Spielzeit durch Scoring beendet wurde. Erstaunlich war im Nachgang des Spiels, dass die während des Matchs herrschenden Feindseligkeiten schnell ad acta gelegt wurden. Die Smaragdschlangen bekamen von Siegermannschaft und ihren Fans minutenlangen Applaus und erhielten eine würdige Medaillenübergabe. Besonders ergreifend waren im Trubel der anschließenden Siegesfeier noch die Szenen, als Adler-Trainer Cavendish seine kleine Tochter aus Feld holte und mit ihr gemeinsam eine Clubfahne schwenkte. Für das Stemmen der Opalkrone hatte die Kleine noch nicht genug Kraft.