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Neue Museen retten Bilanz der Molchendorfer Eisfelder nach ernüchternder Saison

Schon seit Jahren ist es ein stetige Zitterpartie, die sich rund um die traditionsreichen Eisfelder an den Molchendorfer Anhöhen im Wiesenhausener Stadtteil Molchendorf abspielt. Auf kalte, zum Eisminenabbau gut geeignete Winter, folgen immer wieder auch Saisons, in denen die Massen in Molchendorf fern bleiben, was natürlich nicht nur zu Lasten der Felder und deren Betreiber selbst geht, sondern auch die darum herum entstandene Touristik und Gastronomie vor Probleme stellt. Am Mittwoch nun zog die Vorsitzende der Gesellschaft der Molchendorfer Anhöhen, Heike Winsch, Bilanz für den abgelaufenen Winter und musste diesmal eine durchaus ernüchternde Saison konstatieren, die jedoch durch besondere Effekte zumindest finanziell als erfolgreich angesehen werden kann.

„Es war leider ein sehr milder Winter, den wir hinter uns haben“, konstatierte Winsch am Vormittag vor versammelter Presse. „Abgesehen von kurzen, teils nur tagelangen Kälteperioden Anfang Dezember und Ende Januar/Anfang Februar waren die Temperaturen fast durchweg zu warm, als dass sich ausgeprägte Eisminen hätten bilden können.“ Laut Winsch senkte sich die Temperatur in der abgelaufenen Saison nachts zwar zuverlässig teils deutlich unter Null Grad, doch waren es die sonnenreichen Februar- und Märztage und der geringe Niederschlag, der die Saison weitestgehend zunichtemachte. „Anfang Februar hatten wir noch die Hoffnung, dass die traditionell kälteste Zeit ab Mitte Februar uns noch einen Schub verleiht, aber diese Hoffnung mussten wir dann leider begraben“, so Winsch weiter. „Die Sonne und der recht warme Wind haben am Tage spätestens zur Mittagszeit alles wieder aufgetaut, was in der Nacht zuvor gefroren war. Außerdem hatten wir mit einem recht neuen Phänomen zu kämpfen: Wassermangel. Natürlich braucht es zur Formierung der Eisminen in erster Linie Wasser, das dann entsprechend gefriert. Doch bedingt durch die ausbleibenden Niederschläge in der zweiten Hälfte der Saison, sei es als Regen oder als Schnee, trockneten einige Bereiche der Eisminenfelder fast aus. Das kam erschwerend hinzu.“, so Winsch in ihrer ausführlichen Analyse.

So überrascht es wenig, dass die in diesem Winter gefundene, längste Eismine lediglich 38 cm maß, gefunden von einem professionellen Eiserntner aus Westtriso bereits Mitte Dezember. Damit lag diese Marke nicht nur unter der des Vorjahres (56 cm), sondern fiel auf den tiefsten Wert seit 1816, der damals den Endpunkt einer echten Krisenzeit der Molchendorfer Eisfelder markierte. Der Rekord für die längste jemals in Molchendorf aufgefundene Eismine von 96 cm aus dem Winter 1809/10 bleibt damit weiterhin bestehen. Laut Winsch betrugen die durchschnittlichen Längen der Minen in diesem Winter zwischen 10 und 20 cm, was ebenfalls ein Zeichen einer eher schwachen Saison ist. Somit konnten die abgebauten Eisminen insbesondere für die Herstellung von Schmuck und Kunstwerken verwendet werden, doch für die Produktion etwa von Linsen, Okularen oder ähnlichen Spezialgläsern nicht, da sie dafür zu klein waren. Der Hauptankäufer von Eisminen, K/A (Kristallogie und Astronomie), bestätigte auf Nachfrage auch, dass man in diesem Winter nur einen sehr geringen Prozentsatz an Eisminen aus Meadowhouse angekauft habe, da es wenig Auswahl und recht geringe Qualität gab.

In der Vergangenheit hätte eine solche Saison umgehend wieder Fragen nach dem Fortbestand der Molchendorfer Anhöhen als Hauptstandort des Eiserntens nach sich gezogen, doch blieben diese Fragen und Forderungen in diesem Jahr weitestgehend aus. Einerseits, weil die anderen Abbauorte, etwa im Weißen Gebirge oder im Niederstein, mit ähnlichen Problemen wie Molchendorf zu kämpfen hatten, andererseits weil im Oktober vergangenen Jahres zwei Museen direkt angrenzend an die Eisfelder eröffnet hatten, die trotz des für Eisernte ungeeigneten Wetters zahlreiche Touristen anlockten und damit die Bilanz des Eiserntestandorts zumindest finanziell retteten.

Zum einen sorgte das „Museum für Eisernte“ selbst für großes Interesse. Das Haus war vom Meadowhousischen Eisernte-Verband (MEV) vergangenen Herbst eröffnet worden, um einerseits die Tradition des Eiserntens in Wiesenhausen und Meadowhouse zu verdeutlichen, um sich andererseits aber auch etwas unabhängiger von den unwägbaren Witterungsbedingungen zu machen, die die Zahlen des Standorts ansonsten stark Schwanken ließen. Dieser Plan ist zumindest in der ersten Saison aufgegangen. Auf drei Ebenen konnten sich Besucher erklären lassen, wie die Eisernte einst nach Molchendorf kam, wie sich der Abbau über die Jahrhunderte verändert hat und wie er schließlich von einem Privileg für Adelige über einen Arbeitsplatz für Angehörige niederer Stände bis zur Touristen- und Sportattraktion wurde. Dabei durften Besucher Exponate aus der Zeit der Paradiesischen Kaiser in Wiesenhausen ebenso bewundern, wie früheres Werkzeug, was teils von illegalen Eiserntern genutzt wurde, die das kaiserliche Vorrecht auf die Eisfelder umgingen. Die Besucher konnten darüber hinaus auch selbst versuchen, aus Eisminenstücken Schmuck oder Kunstwerke zu formen, was insbesondere bei Familien sehr gut ankam. Ebenso frequentiert war die Dachterrasse des Museums, die einen Blick über die Anhöhen, die Eisfelder bis zur Molchendorfer Brücke bietet. Insgesamt besuchten etwa 200.000 Menschen das Museum seit seiner Eröffnung Anfang Oktober, was die Kassen der Gesellschaft der Molchendorfer Anhöhen massiv aufbesserte.

Positiv wirkte sich auch die zweite, von den Eisfeldern eigentlich unabhängige Museumseröffnung nahe des ehemaligen Molchendorfer Vulkans aus. Hier hatte Anfang November das „Museum des Winterkriegs 1809“ eröffnet, welches in unmittelbarer Nähe des Eisfelder liegt. Auf hier fünf Etagen können sich Besucher seit Herbst somit ein Bild aus einer Zeit machen, in welcher Meadowhouse noch kein eigener Staat war, deren Bedeutung für die spätere Staatsgründung jedoch kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. Neben zeitgeschichtlichen Äußerungen, etwa von Carl von der Regième oder dem heutigen Weltkaiser Apfulkrax, die beide zum damaligen Zeitpunkt im Kampfeinsatz an den Molchendorfer Anhöhen gegen die Bösen waren, können Besucher auch echte Exponate in teils extra dafür angefertigten Räumen bestaunen. So wurde etwa das Flugzeug, in welchem Emilia Ente und Gerlinde Fuchs-Gans während des Krieges in den Molchendorfer Sumpf stürzten, als Exponat gewonnen, ebenso wie die berühmt-berüchtigten Schleudern der Bösen und Rüstungen der Schwarzen Reiter. Die letzten Räume zeigen dann, wie der Winterkrieg, insbesondere durch die damalige Weigerung Grünlands, zur Hilfe zu kommen, obwohl mit Wiesenhausen eine grünländische Stadt angegriffen wurde, zu Separationsbewegungen in Wiesenhausen führte, die im Oktober 1810 dann schließlich in der Unabhängigkeit und Staatsgründung Meadowhouse‘ mündeten. Seit seiner Eröffnung Anfang November konnte auch das Museum über den Winterkrieg an die 140.000 Besucher verzeichnen.

Zum Abschluss der Pressekonferenz ergriff auch der Vorsitzende des Meadowhousischen Eisernte-Verbands (MEV), Gerd Rogers, das Wort, wobei er auf die besonderen Effekte durch die Museen hinwies: „Es ist sehr erfreulich und für alle Beteiligten auch beruhigend, dass Molchendorf im Winter nun neben den Eisfeldern auch andere touristische Magnete vorweisen kann. Gerade finanziell kann das den Standort retten, wenn Besucher, die vielleicht touristisch zum Eisernten hierher gekommen sind, dann aufgrund schlechter Bedingungen nicht direkt wieder fahren oder ihre Hotelreservierungen canceln, sondern die Museen besuchen. Dennoch muss man natürlich festhalten, dass die Eisernte nach wie vor das zentrale Geschäft hier ist und auch bleiben sollte, zumal die wichtigen professionellen Eiserntner und die weiterverarbeitenden Betriebe nur nach Molchendorf kommen, wenn es sich lohnt für sie. Die Museen helfen zwar bei den Hobby-Erntern, aber nicht bei den Profis.“

Somit bleibt nach einem von den Bedingungen her ernüchternden Winter in Molchendorf nur eines, nämlich die Hoffnung auf eine bessere nächste Saison. Durch die angesiedelten Museen scheint der Standort Molchendorf finanziell nun erst einmal abgesichert zu sein und auch die vor Ort befindlichen Hotel- und Gaststättenbetriebe dürften erleichtert sein. Einem Bedeutungsverlust im internationalen Vergleich kann für die Eisfelder in Molchendorf jedoch nur verhindert werden, wenn dort langfristig gute Bedingungen für die Eisernte herrschen.