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Die „Phoenica“ erhebt sich – Wiesenhausen feiert seine neue Oper

Mit einem weithin sichtbaren Glanz über den Ysen und dem weithin sichtbaren Phönix auf der Kuppel hat Wiesenhausen am 10. Januar ein neues Kapitel seiner Kulturgeschichte aufgeschlagen. Punkt 19 Uhr öffneten sich erstmals offiziell die Türen der neuen Oper „Phoenica“, jenes Bauwerks, das bereits lange vor seiner Fertigstellung als eines der ambitioniertesten Kulturprojekte des Landes galt. Was vor kaum einem Jahr noch eine Baustelle mit tiefen Fundamentgruben und skeptischen Stimmen war, ist nun ein Monument aus Stein, Kunst und Selbstbewusstsein geworden.

Fundament bröckelte zunächst

Dabei verlief der Weg zur Eröffnung keineswegs ohne Herausforderungen. Der frühe Spatenstich im November des Vorjahres war von Optimismus geprägt, doch schon wenige Wochen später geriet das Projekt in den Fokus der Öffentlichkeit, als während der Fundamentarbeiten unerwartete Wassereinbrüche aufgrund des hohen Grundwasserspiegels des Ysens gemeldet wurden. In einer vielbeachteten nächtlichen Sitzung entschied sich das Bauteam unter Leitung von Stararchitekt Christoph Botao für eine umfassende Nachverstärkung des Fundaments. Mehrere tausend zusätzliche Pfähle wurden gesetzt, Spezialbeton aus den Steinbrüchen von Tannazien eingeflogen und das Fundament schließlich auf eine Standfestigkeit ausgelegt, die – so ein Gutachten – „selbst einen VEI-4-Ausbruch des Molchendorfer Vulkans verkraften würde“. Zusätzliche Kosten für diese Aktion: Rund 8 Millionen Tropale.

Diese Entscheidung verzögerte den Rohbau kurzfristig, zahlte sich jedoch aus. Ab dem Frühjahr nahm die „Phoenica“ sichtbar Gestalt an. Die 36 Bogenpfeiler der Fassade wuchsen innerhalb weniger Wochen in die Höhe, begleitet von regem Interesse der Bevölkerung. Täglich versammelten sich Schaulustige am Bauzaun, und nicht selten wurden Führungen für Schulklassen organisiert, bei denen Botao persönlich erklärte, warum jede einzelne Säule eine eigene ornamentale Widmung erhielt. Besonders die barocken Skulpturen, die Tänzer, Komponisten und Szenen aus der Operngeschichte darstellen, sorgten für Diskussionen – und oftmals auch für Begeisterung.

Skandal um Blattgold und Kontroverse um Fortunards Deckenmalerei

Ein kleiner Skandal blieb ebenfalls nicht aus: Als im Sommer bekannt wurde, dass Blattgold aus Klondyk für Teile des Fassadenschmucks verwendet werden sollte, forderten mehrere Stadträte Transparenz über Herkunft und Kosten. Kultursenatorin Filomena Fischotter konterte gelassen: „Wenn wir schon eine Oper bauen, dann eine für die Ewigkeit. Außerdem haben wir nicht mehr 1812.“ Die Debatte verstummte endgültig, als die ersten goldenen Details im Abendlicht zu leuchten begannen.

Im Inneren der Oper arbeiteten zeitweise über 600 Kunsthandwerker gleichzeitig. Die monumentale Marmortreppe wurde in Einzelteilen aus drei Welten angeliefert, der Kronleuchter – mit über 12.000 Kristallen – musste eigens in der Kuppel montiert werden, da er durch kein Tor gepasst hätte. Besondere Aufmerksamkeit zog die Deckenmalerei im Foyer auf sich: François Fortunard stellte dort tatsächlich den Sturz Terda Aleshas vom Felsenschiff dar – allerdings in einer abstrahierten Form, die erst auf den zweiten Blick als solche zu erkennen ist. Ein künstlerischer Kniff, der bereits zur Eröffnung für lebhafte Diskussionen sorgte. Während Kritiker bemängelten, dass das Kunstwerk zu weit von der Realität entfernt sei, konterte die andere Seite, dass genau die Abstraktion des Realen der Kern wahrer Kunst sei. Manch einer glitt geradezu in philosophische Diskussionen ab, wie etwa BdH-Abgeordneter und Finanzier der Oper Gerhard S. Herme, der im WRF Fortunard heftig gegen die aufkommende Kritik verteidigte.

Verspäteter, aber pompöser Eröffnungsabend

Der Eröffnungsabend selbst war entsprechend glanzvoll. Allerdings war der Zeitverzug ebenfalls nicht ohne Diskussionen an der Öffentlichkeit vorbeigegangen. Ursprünglich hätte die „Phoenica“ bereits am 6. Dezember eröffnen sollen, durch die Nachbesserungen im Fundament verzögerte sich die Fertigstellung jedoch um über einen Monat. Dies zog weitere Kosten nach sich, vor allem für das weiterhin angestellte Personal für das Großprojekt. Bürgermeisterin Abendsegler schmetterte die Kritik der Opposition ab und sprach von einem „Haus, das aus der Geschichte gelernt hat und in die Zukunft blickt“, während Botao sichtlich bewegt erklärte, er habe „noch nie ein Gebäude loslassen müssen, das ihm so nah ging“. Musikalisch eröffnet wurde die Oper mit einer eigens komponierten Festouvertüre von Mirco Magiaro, gefolgt von ausgewählten Szenen aus klassischen und interweltlichen Werken – ein Vorgeschmack auf das Programm der kommenden Jahre. Gespielt wurden Ausschnitte aus der zweiten Sinfonie Mahlers von der Erde, der komischen Oper „Südflüsse“ aus Tannazien, Wilhelm Rabes „Vogelquartett“, sowie einem großen Chor aus der Roboterwelt.

Doch bei aller Euphorie bleiben die leisen Fragen bestehen. Wie wird sich die „Phoenica“ langfristig auf die übrigen Spielstätten der Stadt auswirken? Werden Schloß Wiesenhausen und die Alte Kathedrale ihr Publikum halten können? Und wird die versprochene Öffnung für internationale und interuniverselle Produktionen tatsächlich gelebt? Die Stadt gibt sich zuversichtlich, verweist auf abgestimmte Spielpläne und neue Förderlinien für kleinere Häuser. Darüber hinaus ist die Haushaltslage der Welthauptstadt spätestens jetzt sehr angespannt. Neben den sowieso schon horrenden Kosten für die Infrastruktur der Weltregierung und der meadowhousischen Politik explodieren nun auch die Summen in anderen Haushaltsposten. Das „Herumgeschiebe“ zwischen den Töpfen wird nun deutlich schwieriger werden. Wie sich das auf den Haushalt 1827 auswirkt, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Eine Haushaltsdebatte ist bereits für Mitte März angesetzt. Kurz darauf wird die BEFIM ihren ersten Auftritt in der „Phoenica“ geben. Am 14. März spielt sie ein extra angesetztes Zusatzkonzert ihrer eigentlichen schon abgelaufenen Tournee „Natürlich.BEFIM“. Das knapp dreistündige Konzert war nach drei Minuten ausverkauft.

Fest steht: Die „Phoenica“ ist mehr als nur ein Opernhaus. Sie ist ein Statement. Ein Bauwerk, das Wiesenhausen nicht nur schmückt, sondern herausfordert – finanziell, kulturell und organisatorisch. Ob sie am Ende wirklich das Meisterwerk für Meisterwerke wird, als welches sie nun gefeiert wird, wird die Zeit zeigen. Der erste Akt jedoch ist gelungen.

Die Phoenica von Außen.

Das große Foyer mitsamt der Marmortreppe.

Der Zuschauerraum.