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Neues Opernhaus für Wiesenhausen soll schon Ende des Jahres Eröffnung feiern

Ende des vergangenen Jahres erfolgte der Spatenstich für eines der größten Bauprojekte Wiesenhausens der jüngeren Vergangenheit. Und davon hat es viele gegeben. Die Ysenbrücke, die Generalmodernisierung des Straßennetzes Ende der 00er-Jahre, das Titanien-Center oder der neue Fernbahnhof in Frankenthal sind nur einige Beispiele Wiesenhausener Ingenieurskunst. Nun bekommt auch die Kulturstadt Wiesenhausen ein neues Highlight. Unweit des Hafens entsteht das neue große Opernhaus unter Leitung von Stararchitekt Christoph Botao. Und nun steht auch der Eröffnungstermin fest. Am 6. Dezember diesen Jahres soll das neue Bauwerk eingeweiht werden. Die Oper wird damit fast ein halbes Jahr früher fertig, als erwartet.

Mit der Ysengoldhalle hat Wiesenhausen bereits ein spektakuläres Konzerthaus in Flussnähe, das jedoch vor allem für reine Orchesterkonzerte oder andere Großveranstaltungen mit Zehntausenden im Publikum vorgesehen ist. Unterhalb des Brückenreicher Hügels erschloss die Stadt bereits 1819, damals noch unter Bürgermeister Cornelius, eine Fläche zum Bau eines Hauses, was vor allem Schloß Wiesenhausen als Spielstätte entlasten sollte. Denn viele Konzerte mit einer Besucherzahl unter 20.000, Theateraufführungen und auch die Wiesenhausener Oper waren seit Jahren auf das Schloß als Ausrichter angewiesen. Lange Wartezeiten waren oftmals vorprogrammiert und nicht selten musste priorisiert werden, weshalb einige Opernaufführungen zugunsten von Tiergruppe- oder BEFIM-Konzerten weichen mussten. Die Alte Kathedrale war dann oft die einzige Ausweichmöglichkeit, wegen ihrer geringen Kapazität konnten viele Tickets oft nicht übertragen werden. „Wir müssen etwas tun. Diese Zustände sind für eine Stadt wie die unsere unhaltbar“, sagte seinerzeit Kultursenator Nils Neuntöter und forderte den Bau einer Oper. Neuntöter musste nach der viel beachteten Kommunalwahl 1822 seinen Posten räumen, Nachfolgerin Filomena Fischotter unterstützte die Pläne aber vollumfänglich. Und so beauftragte man Christoph Botao, der als Kunstliebhaber sofort begeistert zusagte, mit der Planung einer Wiesenhausen würdigen Oper. Und vergangenen Sommer legte der weltbekannte Architekt und Verkehrsdromorniss die Pläne vor. Die „Phoenica“, mit c wie z gesprochen, sollte ein ovales, im Renaissance-Stil gehaltenes Bauwerk werden, welches innen wie außen den höchsten optischen Ansprüchen genügt. Und so befand es auch die Stadt Wiesenhausen, die die Entwürfe im Schnellverfahren genehmigte. Gemeinsam mit Kultursenatorin Fischotter und Bürgermeisterin Abendsegler erfolgte im November letzten Jahres der Spatenstich für das rund 300 Millionen Tropale teure Gebäude.

Die Summe wird nicht allein aus öffentlichen Geldern finanziert. Botao selbst steuerte rund 10 Millionen Tropale bei, auch die Stiftung der Höhlenbewohner beteiligte sich umgehend mit einer kolportierten Summe von 50 Millionen Tropalen. Weitere Millionen gaben Dagobert Duck, Johannes von Daunenfels und Friedrich von Lingen. Auch Mittel aus dem Reichshaushalt flossen über den Königskulturfonds in den Bau mit ein, die genaue Summe wird mit etwa 10% der finalen Baukosten taxiert. Die Baukosten sollen sich innerhalb der ersten 15 Jahre wieder amortisiert haben, so Fischotter, die zusammen mit Finanzsenator Gustav Graureiher die Hauptverantwortung für das Projekt trägt. Wiesenhausen solle für ein ruhmreiches Opernhaus keine Kosten scheuen, hieß es aus der Kulturszene immer wieder, allerdings gab es auch deutliche Kritik. Viele Kleinkünstler bemängelten den administrativen Aufwand, um selbst städtische Förderungen zu erhalten, während Großprojekte durch einflussreiche Personen sehr unbürokratisch an viele Millionen Tropale Fördersummen kämen. Kultursenatorin Fischotter wies auf die beschleunigten Verfahren hin, die es in Zukunft auch für die freie Kunstszene leichter mache, an Fördergelder zu kommen. Die Baukosten würden sich nicht auf die Förderung der Wiesenhausener Kleinkunst auswirken, so Fischotter. Dass der Bau nun so schnell vorangeht, hat vor allem mit der beschleunigten Materialbeschaffung zu tun. Insgesamt sollen an der Außenfassade 36 Bogenpfeiler zu sehen sein, umrahmt von barockem Skulpturenschmuck mit Bezügen zum historischen Theater, ruhmreichen Opern, bedeutender Tänze sowie zur klassischen Musik. Neben Sandstein als Baumaterial werden für den Schmuck auch Bronze, Gold, Perlmutt und Marmor verwendet. Auf der großen Kuppel, die auf dem Gebäude aufsitzt, wird ein großer goldener Phönix als Wiesenhausener Wappenvogel wachend über der Oper prangen. Die Kuppel soll aus Kupfer gefertigt werden, um in der Abendsonne scheinend, den Eindruck eines großen Feuerballs zu erwecken, aus welchem der Phönix emporsteigt. Im Innern empfängt den Besucher ein großes Foyer, garniert mit verschiedenen Kunstwerken auf beiden Seiten und einer großen Deckenmalerei, die der Maler François Fortunard anfertigen wird. Bestätigt ist es einstweilen nicht, jedoch wird gemutmaßt, dort könnte der Sturz Terda Aleshas vom Felsenschiff künstlerisch dargestellt werden. Fortunard, Botao und auch die Stadt halten sich diesbezüglich aber bedeckt. In den Zuschauerraum führt dann eine riesige Marmortreppe, über deren Zentrum ein gigantischer Kronleuchter von der Decke hängen soll. Die Empore wird in Hufeisenform gehalten, mit breiten Gängen, um zu den jeweiligen Plätzen zu gelangen. Zudem soll es auch eine sogenannte Wandelhalle für das Publikum geben, ebenfalls gesäumt von allerlei Kunstwerken, die extra für das Opernhaus angefertigt werden. Fresken sollen die Decken und Wände, und Mosaike die Flure zieren. Für jeden Besucherbereich soll es eine eigene Loge geben, im Clubstil gehalten mit großen, weichen Sesseln und Verpflegungsmöglichkeiten vor und nach den Aufführungen. Auch im Innenraum soll es eine große Deckenmalerei geben, die Säulen im neoklassizistischen Stil gehalten mit allerlei Verzierungen und Schmuck. Die Bühne soll eine klassische Guckkastenbühne mit einem grandiosen Rahmen werden. Insgesamt vier Oberränge soll es geben, zusammen mit dem Flur stehen nach den Plänen ca. 2100 Plätze zur Verfügung. Damit wäre die „Phoenica“ die flächenmäßig und zuschauermäßig größte Oper des Landes.

Den frühen Eröffnungstermin bestätigte Botao auch im Wissen um die Standhaftigkeit des Fundaments. Dies war im Rahmen der Planung noch mit einem Fragezeichen versehen worden, da aufgrund der Ysennähe ein sehr hoher Grundwasserspiegel vorherrscht, was die Stabilität des Gebäudes negativ beeinflussen konnte. Nachdem man das Fundament jedoch ausreichend verstärkt hatte und es alle Statiktests bestand, begann man unverzüglich mit den Bauten. Aktuell steht bereits ein großer Teil der Außenfassade und auch die Kuppel befindet sich im Bau. Eine Herausforderung wird aber noch die Inneneinrichtung, die eine Großteil der Bauzeit beansprucht. „Das wird eine meiner größten Herausforderungen als Architekt“, so Botao. Allerdings habe er immer davon geträumt, eine Oper zu bauen und nun sei sein Traum in Erfüllung gegangen. „Ich habe immer den Anspruch, dass es perfekt wird, aber diesmal will ich, dass es mehr als perfekt wird.“ Ein Anspruch, über den sich die Opernwelt sicherlich freuen wird. Aber nicht nur für Opern wird die „Phoenica“ eine neue Hauptattraktion. Auch Theateraufführungen sollen dort stattfinden, Starregisseur Edward Cohemiel ließ bereits verlauten, dass er sein neuestes Werk im kommenden Jahr dort uraufführen möchte. Auch die Meadowhousische Philharmonie wird dort sicherlich Konzerte veranstalten und Ballettensembles wie das 3Wies-Ballett oder die Kulturwiese sehen ihr Zuhause langfristig dort. Und auch die BEFIM wird sehr an der neuen Spielstätte interessiert sein, soll doch in den nächsten Jahren unter Komposition von Mirco Magiaro eine eigene Oper realisiert werden. Alles andere als eine Uraufführung in der „Phoenica“ wäre eine echte Überraschung. Allerdings wurden aus der Stadt auch Stimmen laut, die im neuen Opernhaus auch Internationales und Interuniverselles sehen wollen, sodass die Wiesenhausener Kultur vornehmlich auf Schloß Wiesenhausen verbleiben kann. Bürgermeisterin Abendsegler kann sich nach eigenen Aussagen das Haus als internationales Aushängeschild sehr gut vorstellen. Das würde bedeuten, dass auch viele auswärtige Klassiker dort zu sehen wären. Was für nächstes Jahr bereits geplant ist, sind die Opernwochen mit Werken aus dem ganzen Sonnensystem. Gespielt werden sollen aus der Baumhauswelt „Lilienblut“, aus der Geisterwelt „Nebel auf dem Hades“, von der Erde „Carmen“, aus der Roboterwelt „Terminator“, aus der Verstorbenenwelt „Napoleons Tanz“ und aus Tannazien „Patago“. Ob der Termin für die Opernwochen, der ursprünglich für Oktober 1826 vorgesehen war, nun auf den Frühling 1826 vorgezogen wird, ließ man jedoch nicht verlauten.

Dass es in Wiesenhausen seit Jahren die Notwendigkeit eines zentralen Opernhauses gab, ist nicht zu bestreiten. Zu groß lastete der Makel auf der Welthauptstadt, im zwar prestigeträchtigen Schloß Wiesenhausen zu spielen, welches jedoch in erster Linie nicht auf Opern spezialisiert ist. Über die Baukosten lässt sich allerdings streiten. Trotz der vielen Kunstmäzene trägt die Stadt mit einer großen finanziellen Belastung für dieses Großprojekt ein. Ob all die Schmuckelemente und teuren Baumaterialien wirklich in dieser Anzahl benötigt werden, darf getrost angezweifelt werden. Und ob der Stadtkasse dann nicht Einsparungen an anderer Stelle drohen, ist eine weitere offene Frage. Ebenfalls fraglich ist, wie sich die „Phoenica“ auf die anderen Kunstspielstätten der Stadt auswirkt. Durch ihre Gravitas schon vor Eröffnung wird sie in ihrem fertigen Zustand definitiv die Massen anziehen. Wie werden dann jedoch die Säle auf Schloß Wiesenhausen, in der Alten Kathedrale, im Titanien-Center oder in der Ysengoldhalle gefüllt sein? Gibt es Häuser, die wegen des neuen Opernhauses in Existenznöte geraten? All das muss beachtet werden und die Auswahl der Aufführungen im neuen Kulturzentrum der Stadt muss sorgfältig erfolgen. Wenn dies gelingt, wird die neue Oper ein Meisterwerk für Meisterwerke. Und Wiesenhausen um ein großartiges Haus reicher.